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- Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
- Gesamtverband der Wohnungswirtschaft e.V.
- Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.
- Stadt Bielefeld
Bielefeld, 4. September 1996
Gemeinsame Presseerklärung
Kooperation von Kommunen, Wohnungsunternehmen und Wohlfahrtsverbänden schafft neuen Wohnraum für Wohnungslose
Bundesbauminister Töpfer besucht innovative Wohnprojekte in Bielefeld
Bundesbaumister Prof. Dr. Klaus Töpfer hat am Mittwoch auf Einladung
der Bundesarbeits-gemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAGW) eine Reihe
innovativer Wohnprojekte in Bielefeld besucht, die eine dauerhafte Wohnungsversorgung
von Wohnungslosen sicherstellen sollen. BAGW-Vorsitzender Martin Berthold
begrüßte den Projektbesuch von Bundesbauminister Töpfer. Die Notwendigkeit
neuer Wege in der Wohnungsversorgung sozial Benachteiligter sei deutlich
geworden.
Nach wie vor sei die Situation im unteren Preissegment des Wohnungsmarkts
trotz enormer Neubauleistungen in den zurückliegenden Jahren angespannt.
Einkommensschwache und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen fänden
nur schwer bezahlbaren Wohnraum. In den zurückliegenden Jahren seien in
Zusammenarbeit von Kommunen, Wohnungsunternehmen und Trägern der Freien
Wohlfahrtspflege viele neue Wohnprojekte entstanden. Die schnelle, effektive
und sozial gerechte Versorgung Wohnungssuchender sei auf diesem Wege ermöglicht
worden.
So arbeitete in Bielefeld das Amt für Wohnungsbauförderung und Wohnungshilfen
mit Wohnungsunternehmen, der Bielefelder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft
(BGW) und Ravensberger Heimstättengesellschaft (RH) sowie den von Bodelschwingschen
Anstalten (Teilanstalt Eckardtsheim) als freiem Träger zusammen.
Bundesbauminister Töpfer besichtigte unter anderem das Haus Wilhelmsdorf,
eine stationäre Einrichtung der von Bodelschwingschen Anstalten für Langzeitwohnungslose.
24 Heimplätze sollen dort in 24 Wohnungen umgewandelt werden; 18 Wohnungen
in zwei verschiedenen Wohnprojekten sind bereits fertiggestellt. Das von
der BGW betreute Projekt Wilhelmsdorf wird im Rahmen des vom Bundesministeriums
für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau geförderten Programms "Experimenteller
Wohnungs- und Städtebau" (Forschungsfeld: Dauerhafte Wohnungsversorgung
von Obdachlosen), zu dem noch sechs weitere Projekte in der Bundesrepublik
gehören, wissenschaftlich begleitet. In einem weiteren Projekt haben die
von Bodelschwingschen Anstalten und Ravensberger Heimstättengesellschaft
(RH) gemeinsam 25 öffentlich geförderte Wohnungen errichtet. Diese sind
zu je einem Drittel an Beschäftigte der von Bodelschwingschen Anstalten,
ehemalige Wohnungssuchende und Heimbewohner von Haus Wilhelmsdorf vermietet.
Außerdem informierte sich Minister Töpfer über das "Lehmhausprojekt",
das die Stadt Bielefeld gemeinsam mit der RH betreibt. Vier Kleinstwohnhäuser
in Reihenhausbauweise, die für je zwei Personen gedacht sind, wurden als
Selbsthilfeprojekt in ökologischer Bauweise von Wohnungslosen errichtet.
In einem Fachgespräch mit Bundesminister Töpfer, zu dem die BAG Wohnungslosenhilfe
Vertreter der Bielefelder Wohnungswirtschaft, der Stadt Bielefeld und
der von Bodelschwingschen Anstalten geladen hatte, wurden die Voraussetzungen
und Chancen der Bielefelder Projekte als Modellvorhaben für die Wohnungsversorgung
sozial Benachteiligter erörtert. Bundesminister Töpfer betonte dabei die
besondere Verantwortung der Wohnungspolitik für diejenigen, die sich nicht
aus eigenen Kräften mit angemessenem Wohnraum versorgen könnten. Wichtiges
Ziel der anstehenden Reform des Wohnungsbaurechts sei daher, im Rahmen
der Wohnungsbauförderung eine höhere soziale Treffsicherheit bei effizienterem
Einsatz der Fördermittel sicherzustellen. Belegungsrechte zugunsten von
Haushalten mit Zugangsschwierigkeiten am Wohnungsmarkt müßten im Wohnungsneubau
und verstärkt auch im vorhandenen Bestand geschaffen und gesichert werden.
Für gezielte Hilfen zugunsten sozial benachteiligter Gruppen müsse die
fachübergreifende Zusammenarbeit auf allen Ebenen verstärkt werden.
Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes des GdW Gesamtverband
der Wohnungswirtschaft e.V. und Geschäftsführer der BGW , Herbert Jaspert
betonte, daß unternehmerisches Engagement für Obdachlose und Wohnungsnotfälle
unbedingt der begleitenden sozialen Unterstützung und Absicherung durch
Sozialarbeit der Kommunen oder Träger der freien Wohlfahrtspflege bedürfe.
Für ihn sei diese Form der Wohnungsfürsorge ein wesentlicher Schritt zur
späteren Integration der seither Wohnungslosen in den "normalen" Wohnungsmarkt.
Jürgen Heinrich, Vorsitzender der Kommission für Wohnungswesen und Dezernent
für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr der Stadt Bielefeld sagte, das
"Bielefelder Modell" der Kooperation solle nicht nur in Bielefeld, sondern
bundesweit viele Nachahmer finden. Martin Berthold forderte alle Beteiligten
auf, Konsequenzen aus den bisherigen positiven Erfahrungen zu ziehen.
Die Bielefelder Projekte hätten gezeigt, daß wohnungslose Menschen in
einem "normalen Wohnumfeld" sozial besser integriert werden können als
im Heim. "Eine Kooperation, die das unternehmerische Know-how der Wohnungswirtschaft,
die Beratungs- und Betreuungskompetenz freier Träger und die kommunalen
Ressourcen und Planungskompetenzen zusammenbringt", so Berthold, " ist
angesichts knapper Kassen der erfolgversprechendste Weg in der Wohnungsversorgung
sozial Benachteiligter."
60 Zeilen Text
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