Einführung
In der Informationsgesellschaft kann Fachdokumentation nur auf der Grundlage zeitgemäßer Informations- und Kommunikationstechnologien erfolgen.
Voraussetzung für Wohnungslosenhilfeplanung, kooperative Steuerung und Hilfeprozessplanung ist die Dokumentation des Hilfebedarfs, des Hilfeverlaufs und der Hilfeergebnisse. Nur eine zeitnahe und flexible Verfügbarkeit von Klientendaten ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Veränderungen in den Problemlagen der Bürger und Bürgerinnen, die Wohnungslosenhilfe in Anspruch nehmen.
Zugleich ist Dokumentation eine Voraussetzung zur Entwicklung von Forschungsfragen, die nur durch wissenschaftliche Einzelprojekte geklärt werden können.
Dokumentation in sozialen Diensten
Dokumentation auf der Ebene der sozialen Dienste muss sich an folgenden Prinzipien orientieren:
- Hilfeprozessbezogene Einzelfalldokumentation, die neben Klientendaten auch Eingangssituation und Ergebnisse der Hilfe in statistisch verwertbarer Form dokumentiert;
- EDV-gestütze Informationserhebung und –verarbeitung;
- Orientierung an bundesweiten Mindeststandards der Datenerhebung.
- Regelmäßige Berichterstattung an Politik und Kostenträger;
- Beteiligung an bundesweiten Systemen der Armutsberichterstattung zur Wohnungslosigkeit, Armut und sozialen Ausgrenzung;
- Strikte Beachtung der Datenschutzgesetzgebung.
Vor dem Hintergrund dieser Prinzipien hat der Fachausschuss Dokumentation und Statistik der BAG W eine am 24./25. Oktober 2002 verabschiedete Empfehlung zu Qualitätsanforderungen an eine Dokumentationssoftware für soziale Dienste in der Wohnungslosenhilfe erarbeitet.
Qualitätsanforderungen an Dokumentationssoftware (download pdf, 99 kb)
Die BAG Wohnungslosenhilfe setzt sich dafür ein, den EDV-Einsatz in sozialen Diensten mit öffentlichen Mitteln systematisch zu fördern. Dies umfasst die Förderung der fachgerechten Software und Hardware für Dokumentation.
Bundes- und landesweite Dokumentation
Die Dokumentation auf der Ebene der sozialen Dienste ist die Voraussetzung für eine breite und repräsentative Basis landesweiter und bundesweiter Datenerhebungen, die Überblickdaten für die überregionale Entwicklung und Planung der Wohnungslosenhilfe liefern müssen.
Bundesweite Datenerhebungen sind als Teil der Armutsberichterstattung in Deutschland zu verstehen und entsprechend öffentlich zu fördern.
Bundesweite Standards
Für Dokumentation gibt es bundesweite Standards, die der Fachausschuss Dokumentation und Statistik der BAG W in Kooperation mit der „Arbeitsgemeinschaft Statistik und Dokumentation auf Bundesebene für die Hilfen in besonderen Lebenslagen nach § 72 BSHG und vergleichbare Hilfearten“ (AG STADO) erarbeitet hat. Seit dem 1.1.2000 gelten als Leitstandard für die statistische Dokumentation der Basisdatensatz Wohnungslosenhilfe, der sich aus dem Grunddatensatz (GDS) und dem Fachdatensatz Wohnungslosenhilfe (FDS-W) zusammensetzt. Mit der BAG der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAG üS) wurde ein Teilbereich des Basisdatensatzes als sogenannter Kerndatensatz abgestimmt. Dieser Kerndatensatz dient als Basisnorm für die Berichterstattung gegenüber den Kostenträgern.
Für den Basisdatensatz wurde ein Manual (hier herunterladen, PDF-Datei 622kb) entwickelt, das die im Basisdatensatz enthaltenen Variablen und ihre Ausprägungen bundeseinheitlich definiert. Zugleich wurde für alle Softwarefirmen, die den Basisdatensatz in ihre Programme aufnehmen wollen, eine bundeseinheitliche Schnittstelle geschaffen, die es ermöglicht, die Daten einzelner sozialer Dienste mit dem Ziel der bundesweiten Berichterstattung zusammenzuführen.
Von 1990 bis 1998 baute die Berichterstattung ausschließlich auf den beiden gemeinnützigen Softwareprogrammen BAG-W DWA (Programm der BAG W) und EBIS-B (Programm des IFT in Kooperation mit dem Deutschen Caritasverband). Nachdem das DWA-Programm mangels finanzieller Möglichkeiten eingestellt werden musste, ist nun seit 2002 wieder eine gemeinsame Datenerfassung über die so genannte BAG W-Schnittstelle möglich. Das Ziel der BAG W ist es, dass möglichst alle sozialen Dienste eines der am Markt vorhandenen Softwareprogramme einsetzen, um damit neben ihrer eigenen Dokumentation auch eine bundesweite Berichterstattung über die Wohnungslosenhilfe und ihre Arbeit zu ermöglichen. Den aktuellen Statistikbericht 2004 – 2006 können Sie hier kostenlos herunterladen.
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